Sonntag, 29. Dezember 2013

Weihnachten in Polen / Święta Bożego Narodzenia w Polsce



Wenn jemand Näheres über Weihnachten in Polen erfahren möchte, sollte ihm die Macht der Tradition klar werden. Das ist eigentlich das Schlüsselwort, das die Polen in den drei Tagen begleitet.

Wenn es um ihre eigenen Sitten geht, sind meine Landsleute sehr konservativ und egozentrisch. Man weiß ungefähr, dass es in anderen Ländern auch andere Weihnachtsbräuche gibt, aber dies ist ja eigentlich egal - die eigenen sind sowieso am schönsten. Und nirgendwo auf der ganzen Welt ist Weihnachten so schön wie in Polen. Punkt. Ich glaube, dass Weihnachten in Polen so verehrt wird, da an den Tagen die Tradition so lebendig und beachtet wird.

Die Krönung der drei Feiertage ist Wigilia, d.h. Heiligabend. Am 24. Dezember haben die Schulen frei, Geschäfte und andere Einrichtungen arbeiten jedoch bis ca. 14. Uhr. Viele Personen fasten an dem Tag bis zum Abend, was in der Regel bedeutet, dass man bis dahin nur eine kleine und selbstverständlich vegetarische Mahlzeit zu sich nehmen darf.

Allgemein muss man sagen, dass der Tag sehr stressig und anstrengend für die Frauen ist. Der Mann in der Familie hat seinen Dienst schon vorher erledigt, sprich: die Karpfen (diese Fischart ist das non plus ultra auf dem polnischen Weihnachtstisch) besorgt und geschlachtet. Ja, es ist immer noch ein Teil der polnischen Tradition, den lebendigen Fisch zu kaufen und ihn zu Hause in der Badewanne schwimmen zu lassen (worauf sich Kinder und Katzen besonders freuen), um ihm letztendlich das Leben zu nehmen.

 Karpfen in der Badewanne
Quelle: Internet

In den letzten Jahren gab es eine richtige Revolution auf diesem Gebiet. Noch frisch sind die grausamen Erinnerungen, als viele Menschen die Fische in Plastiktüten und ohne Wasser transportiert haben. Eine Stiftung zum Schutz der Tiere startet jedes Jahr eine neue Kampagne, um die Käufer zu sensibilisieren, dass ein Fisch auch leiden kann. Am Anfang haben die Aktivisten die Karpfen abgekauft und in die Flüsse geworfen, dann änderte sich aber die Strategie. Man verstand, dass gegen die Tradition nicht zu gewinnen sei und, statt den Menschen davon abzuhalten, die Fische lebendig zu kaufen, man eine Aufklärungskampagne starten - und Promis engagieren - müsse. Zum Glück erstehen immer mehr Menschen schon einen professionell geschlachteten Karpfen oder Filets.


 Noch lebendiger, erwürgter Karpfen (ein polnisches Wortspiel, da "erwürgter" auch "geschmorener" bedeutet) - ein Werbeplakat der Kampagne gegen den Kauf von lebendigen Karpfen.
Quelle: Internet

Wenn wir schon beim Karpfen sind, muss ich noch dazuschreiben, dass man einige seine Schuppen behalten soll, um sie in sein Portemonnaie zu stecken. Dies garantiert, dass man im kommenden Jahr immer Geld darin hat.


 Karpfenschuppen bringen Geld!
Foto: Polschland

Das Essen fängt erst an, wenn der erste Stern am Himmel zu sehen ist - normalerweise ca. um 16.30 Uhr. Ihn zu suchen ist traditionell die Aufgabe der Kinder, die auf diesem Wege zumindest eine Weile beschäftigt sind und bei den Vorbereitungen nicht stören. Wenn der Himmel wolkenfrei ist, ist dies kein Problem, wenn es aber trüb ist, muss man sich eher mit einem imaginären Himmelslicht zufrieden geben.

 Wo ist denn der erste Stern?!
Foto: Polschland

Die ganze Familie versammelt sich in einem Raum, wo schon ein illuminierter Christbaum steht und ein festlich vorbereiteter Tisch wartet. In vielen Familien pflegt man noch den Brauch, ein Fragment des Evangeliums zu lesen - es ist traditionell die Aufgabe des Vaters. Danach folgt ein kurzes Gebet und man kommt zum nächsten Punkt - ohne ihn ist der polnische Heiligabend undenkbar.


 Die Oblaten liegen schon bereit. Auf vielen Tischen steht auch eine Kerze, die von Caritas verkauft wird.
Foto: Polschland

Jedes Familienmitglied nimmt eine dünne viereckige Oblate, die dem Esspapier ähnelt und mit einem religiösen Muster verziert ist.  Die geweihten Oblaten kann man vor Weihnachten in den Kirchengemeinden kaufen. Jede Person kommt zu der anderen mit seiner Oblate und wünscht ihr alles Gute, verteilt Küsse und Umarmungen. Man gibt sich gegenseitig ein bisschen von der eigenen Oblate und isst sie. Die Oblaten werden auch, samt Weihnachtskarten, der Familie und Bekannten geschickt, um mit ihnen auf diesem Weg das symbolische Teilen auszuüben. Für Nicht-Polen ist das manchmal ein Schock. Als ich einmal ein Stückchen davon meiner russischen Bekannten gesendet hatte, war sie erstaunt. Sie schrieb mir, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Brief bekommen habe, in dem Essen war.

Nachdem die Oblaten geteilt wurden, setzt man sich an den Tisch. Das, was sich darauf befindet, muss auch erklärt werden. Unter der Tischdecke liegt schon ein bisschen Heu, das für die Christen eine symbolische Bedeutung hat, da Jesus im Stall geboren wurde.

 Ein bisschen Heu unter der Tischdecke fehlt nie!
Foto: Polschland

Das Familienmitglied, das den Tisch deckt, vergisst nie einen zusätzlichen Teller mit Besteck bereitzustellen. Während des ganzen Abends bleibt der Platz frei. Man sagt, dass es ein Platz für alle ist, die kein Zuhause haben. Wenn sie möchten, könnten sie an dem Abend zu uns kommen. Aber ich bin mir fast sicher, dass man jedes Jahr hofft, dass kein Obdachloser plötzlich in der Tür steht. Es gibt auch eine andere Erklärung des freien Platzes: dass da am Heiligabend die Geister der verstorbenen Familienmitglieder sitzen.

 Egal wie viele Familienmitglieder es gibt - ein Platz bleibt immer frei.
Foto: Polschland

Auf dem Tisch wartet schon das Essen. Die Gerichte sind jedes Jahr gleich und nach altem Familienrezept zubereitet. Manche werden sogar ausschließlich nur an einem Tag im Jahr gekocht. Nicht selten schmecken sie gar nicht, aber selbst das ist keine Ausrede. Die Tradition ist heilig. Die Ansichten meiner deutschen Bekannten, die an Heiligabend indisch kochen, jedes Jahr was Neues ausprobieren oder ein Festtagsmenu samt Tiramisu vorbereiten, wären in Polen regelrecht verpönt. Man begreift es auch nicht, wie man in Deutschland so was „alltägliches“ wie Würstchen mit Kartoffelsalat essen kann, Argumente wie: „Die haben ja keine Traditionen“ oder „Man gibt sich einfach keine Mühe“ sind sogar zu hören. Und überhaupt, dass man an dem Abend Fleisch esse! Obwohl seit einigen Jahren an Heiligabend auch Fleischgerichte verzehrt werden dürfen (was von der katholischen Kirche offiziell erlaubt wurde), bleibt das polnische Menu strikt vegetarisch und alkoholfrei.

Manche von den 12 Gerichten werden nur an Heiligabend zubereitet, wie barszcz z uszkami.
Foto: Polschland

Der Tradition nach, sollten bei dem Abendmahl zwölf Speisen serviert werden. Zwölf, also so viel wie Monate oder Apostel. Es gibt immer noch Familien, die sich daran halten. Man kann aber ein Auge zudrücken und Salz, Pfeffer & Co. dazuzählen, wenn die Zahl nicht erreichbar ist. Von jeder sollte man ein bisschen probieren, damit sie auch im nächsten Jahr nicht fehlen. 

Was auf dem Speiseplan steht, ist von der Region abhängig. Ich nenne nur ein paar Beispiele. Zu den populärsten Suppen zählen auf jeden Fall: barszcz z uszkami (Rote-Betesuppe mit kleinen Tortellinis mit Pilzfüllung), zupa grzybowa (Pilzsuppe), fasolowa (Bohnensuppe), grochówka (Erbsensuppe), zupa z siemienia lnianego (Leinsamensuppe), konopii (Hanfsuppe), migdałów (Mandelsuppe), rybna (Fischbouillon).

 Uszka
 Fot. Polschland


 Barszcz wird ausschließlich aus Gemüsefond zubereitet. Verwendung tierischer Fette ist traditionell verboten.
Foto: Polschland

 Das Wort "uszko" (Pl. uszka) bedeutet wörtlich übersetzt "kleines Ohr".
Foto: Polschland

Als Hauptspeise kommen Fische in allen Variationen. Panierter und gebratener karp/Karpfen fehlt fast nie. Interessant dabei ist, dass man diese Fischsorte eher selten im Laufe des Jahres isst, trotz Werbekampagnen. Ob der Fisch auch schmackhaft ist, ist jedes Jahr ein Glücksspiel - oft erwischt man Exemplare, die unmittelbar nach Schlamm schmecken. Weiter kommen Karpfen in Aspik (karp w galarecie), śledź w śmietanie (Sahnehering), andere Fischsorten und ryba po grecku. Wörtlich übersetzt bedeutet das Letzte „Fisch griechischer Art“, wobei es sich um ein in Griechenland unbekanntes Gericht handelt: Fischstücke in Tomaten-Gemüsesauce.

 Die Hauptspeise in meinem Familienhaus: gekochtes Sauerkraut mit Waldpilzen, Meeretichsauce, Hefebrötchen mit Zwiebelfüllung und... Fischstäbchen. Seit Jahren boykottiere ich den traditionellen Karpfen.
Foto: Polschland

Dazu serviert man Kartoffeln, pierogi z kapustą i grzybami, eventuell auch ruskie (Teigtaschen mit Sauerkraut-Pilzfüllung oder mit Kartoffel-Quark-Füllung) sowie Sauerkraut mit Pilzen, Erbsen bzw. Bohnen (kapusta z grzybami, grochem, fasolą).

Zum Trinken gibt es kompot z suszu (Dörrobstkompott), der oft aus geräucherten Pflaumen zubereitet wird.  Man kann ihn lieben oder hassen. Ich zähle zur zweiten Gruppe, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie man eine Flüssigkeit, die nur nach Rauch schmeckt, zu sich nehmen kann. In einer anderen Variante verwendet man dazu normales Trockenobst, Nelken und Zimt - diese schmeckt ganz lecker.

Natürlich darf was Süßes nicht fehlen. In vielen Familien östlicher Herkunft bereitet man kutia vor, eine Masse aus Weizen, Mohn, Rosinen, Honig und Nüssen. In Oberschlesien kennt man dagegen makówki - eine Schichtspeise aus Mohn, Rosinen, Milch und Brötchenscheiben. Typisch schlesisch ist auch moczka, eine Art Lebkuchensauce. Beliebt sind auch Kuchen (z. B. Mohnstollen/strucla z makiem), Weihnachtsplätzchen (ciasteczka) und Lebkuchen (pierniki) sowie Orangen und Mandarinen, die im Kommunismus eine Luxusware und nur vor Weihnachten und Ostern erhältlich waren.

 Eine Schüssel mit makówki, einem typisch schlesischen Weihnachtsdessert.
Foto: Polschland

 Makówki werden kalt serviert, dazu reicht man heiße Milch.
Foto: Polschland


 Die oberste Schicht von makówki wird immer schön verziert, mit Mandeln, Nüssen, Orangeat, Kokosraspeln, Trockenobst etc.
Foto: Polschland

 Traditionelle schlesische moczka
Foto: Polschland

 Oberschlesische moczka und makówki. Die Variante, die hier zu sehen ist, besteht aus Mohnmasse und Mohnstollenscheiben. In manchen Familien wird sie aber auch mit Zwieback zubereitet.
Foto: Polschland

 Weihnachtliche Mohnstollen
Foto: Polschland

Wenn es um das Menu am 25. und 26. Dezember geht, ist man nicht so konservativ. In manchen Familien isst man gebratene Weißwürste, ansonsten noch die vom Heiligabend übrig gebliebenen Reste und Feststagsbraten.

 Schlesische Weißwürste, die nur in der Weihnachtszeit erhältlich sind, schmecken allerdings ganz anders als die bayerische Variante. Zuerst werden sie kurz gekocht, dann in Mehl gewendet und gebraten.
Foto: Polschland

Verbleiben wir aber beim Heiligabend. Nach dem Essen kommt der meisterwartete Moment - das Verteilen der Geschenke. Sie werden in Polen vom Nikolaus, Christkind (Dzieciątko), Engelchen (Aniołek) oder Sternmann (Gwiazdor) gebracht.

  Geschenke verteilt man traditionell nach dem Essen.
Foto: Polschland

Nach und vor der Bescherung wird gesungen. Polen verfügen über eine Vielzahl an Weihnachtsliedern, die für sie natürlich die schönsten auf der ganzen Welt sind. Es gibt tatsächlich eine sehr breite Palette davon - von majestätischen, langsamen bis zu fröhlichen, von lebhaften bis zu betrüblichen sogar. In der Weihnachtszeit braucht man in Kirchen kein Gesangbuch, die Weihnachtslieder kennt einfach jeder. Aus purer Neugier habe ich einmal gezählt, wie viele ich kenne - und landete bei über dreißig.

Der Heiligabend endet für viele Gläubige in der Kirche, wo gegen Mitternacht eine feierliche Weihnachtsmette (pasterka) stattfindet. Die Kirchen sind voll; man kann da in der Regel auch Menschen treffen, die sich dort nur zweimal im Jahr blicken lassen.

 In jeder Kirche steht eine Krippe, die besonders für Kinder eine große Attraktion darstellt.
Foto: Polschland

Der Heiligabend ist mit viel Aberglauben verbunden, was auf heidnische Wurzeln dieses Festes deutet. In vielen Familien legt man z. B. eine Münze unter jeden Teller, damit man genügend Geld hat. Aus den Heuhalmen versucht man zu erraten, wie das kommende Jahr wird. Gut bekannt ist auch das Sprichwort „Wie der Heiligabend, so das ganze Jahr“; man sollte sich also bemühen, den ganzen Tag nett zu sein und Streitereien zu vermeiden. Wenn am Morgen als erster ein Mann ins Haus kommt oder telefoniert, soll das Glück bringen. Ein Besuch einer Frau bedeutet dagegen Pech. Man sollte an dem Tag niemandem etwas leihen, um Armut zu vermeiden. Genau um Mitternacht sollen alle Tiere mit menschlicher Stimme reden können. Es ist aber ein durchaus schlechtes Omen, ihnen dabei zuzuhören.

Der erste Weihnachtstag ist traditionell für die Familie reserviert. Man bleibt am liebsten zu Hause, isst, ruht sich aus und sieht fern. Was oder welcher Sender läuft, ist immer ein heiß diskutiertes Thema. Kultstatus erlangte schon längst der Film „Kevin - Allein zu Haus“. Ohne ihn ist Weihnachten in Polen kein Weihnachten!

 - Mutti!!! Morgen kommt "Kevin".
- Ich hab' dir doch gesagt, dass Weihnachten ist!


 Kevin - Allein zu Haus. Das ist nicht nur ein Film, das ist eine Tradition!

Übrigens: im Advent organisiert man in Polen in Firmen, Schulen und anderen Einrichtungen Treffen, die ähnlich wie am Heiligabend verlaufen. Die Speisen werden entweder selber gekocht und mitgebracht oder bestellt. Es ist ein polnisches Pendant zur deutschen Weihnachtsfeier oder Weihnachtsmarktreffen.

 Polnischer Heiligabend:

- ruskie pierogi/russische Piroggen
- śledź norweski/norwegischer Hering
- barszcz ukraiński/ukrainischer Borschtsch
- wino bułgarskie/bulgarischer Wein
- stolik z IKEI/Tisch von IKEA
- karp po żydowsku/Karpfen jüdischer Art
- ryba po grecku/Fisch griechischer Art

Trotz des Bildes, sind die Speisen typisch polnisch.

Freitag, 20. Dezember 2013

Advent, Advent, wie man ihn in Polen kennt / Adwent w Polsce



Die Adventszeit ist fast vorbei, Weihnachten steht vor der Tür. Höchste Zeit, um einiges über die polnischen Weihnachtsbräuche zu schreiben. Beginnen wir mit dem Advent.

Anders als das in Deutschland üblich ist, wird der Advent als eine ruhige und nachdenkliche Zeit der Vorbereitung und Erwartung gesehen. Der deutsche Spruch „Die Vorfreude ist die schönste Freude“, der am besten die vorweihnachtliche  Stimmung beschreibt, trifft in Polen auf Beschränkungen. Es wird nicht geheiratet und getanzt, wenig gefeiert, die Discos stehen leer. Als ich meiner Freundin berichtete, dass ich am 7. Dezember auf einem Weihnachtsball war, war sie empört.

Die Tradition der fröhlichen Treffen auf dem Weihnachtsmarkt oder sonntags zum Adventskaffee ist nahezu unbekannt, geschweige denn der Brauch, sich „den schönen und besinnlichen 1.- 4. Advent“ zu wünschen.

Die Kirche animiert die Gläubigen, während der vier Wochen auf etwas zu verzichten, z. B. auf Süßigkeiten oder Alkohol (was hier in Deutschland mit Plätzchen und Glühwein sicherlich schwer zu vereinbaren wäre).

Es wird ebenfalls empfohlen, mit Weihnachtsdekorationen bis zum Heiligabend zu warten (nur der Adventskranz ist eine Ausnahme). Das gleiche gilt auch für Weihnachtslieder. Die katholischen Kinder besuchen fünfmal in der Woche eine spezielle Messe, roraty genannt; entweder früh morgens oder abends. Zur Kirche trug ich, als ich noch klein war,  eine selbst gemachte Laterne. Der Anfang der Messe fand immer in Dunkelheit statt, nur die Lichter der Laternen waren zu sehen.

 Roraty in Inowrocław
Quelle: krzyz.parafia.info.pl

In meiner Gemeinde war noch der Brauch üblich, dass man vor dem Gottesdienst eine selbst gebastelte Karte in ein Körbchen warf, auf der stand, welche guten Taten man am Tag zuvor vollbracht hatte. Nach der Messe wurde eine gezogen und der glückliche Gewinner durfte einen Tag lang ein kleines Christkindfigürchen bei sich zu Hause behalten. Später, als ich schon erwachsen war, wurden die Preise auch interessanter (z. B. Bücher, Stifte etc.), um die Kinder weiterhin zu motivieren.

 In vielen Kirchen werden die Kärtchen mit guten Taten als Christbaumschmuck verwendet
Quelle: http://bernardyni.net

Jedes Kind musste noch zusätzlich nach der Messe ein kleines Bildchen abholen. Sie wurden beim Ausgang von den Ministranten verteilt. Die Bildchen mussten dann ordentlich ins Religionsheft geklebt und angemalt werden. Die Sammlung wurde danach entweder in der Schule oder vom Pfarrer, beim üblichen Hausbesuch, persönlich kontrolliert. Und wehe, die Sammlung war nicht komplett! Wenn ich jetzt bedenke, dass meine Nichte (in Deutschland) sage und schreibe lediglich neun Unterschriften als Bestätigung dafür, dass sie zum Sonntagsgottesdienst gegangen war, vorzeigen muss, um zur Erstkommunion zugelassen zu werden, merke ich, wie sich die Zeiten geändert haben.

 Heutzutage gibt es schon farbenfrohe Tafeln, wo die Bildchen aufgeklebt werden können. Jedes Jahr stehen roraty unter einem anderen Motto. Hier z. B. die Bibel. Dazu gibt es noch weitere Adventsmaterialien zu kaufen: Prädigttexte für Priester, Kirchendeko, CDs mit Liedern etc.
Quelle: http://malygosc.pl

Im Grunde genommen, kommt einem in Polen der Advent wie die Fastenzeit vor. Auf jeden Fall war es früher so. Heutzutage ist es jedoch unmöglich, sich vor dem Weihnachtswahnsinn in Kaufhäusern und Medien zu schützen. Es werden Weihnachtsmärkte organisiert, obwohl noch nicht in so großer Zahl und Pracht wie in Deutschland. Die Städte werden schon Anfang Dezember festlich dekoriert, mit Tannen und Lichtern. Man spürt jedoch, dass die Tradition, die den Advent als eine „gedämpfte und dunkle“ Zeit sieht, in den Menschen tief verankert ist.

 Polnische Weihnachtsmärkte werden nach dem westlichen Vorbild organisiert. Die Standbetreiber stammen tatsächlich teilweise aus Deutschland, Holland und Österreich.
Quelle: http://www.gazetawroclawska.pl


Der bekannteste polnische Weihnachtsmarkt findet in Wrocław/Breslau statt
Quelle: http://www.wiadomosci24.pl

Es gibt eine fröhliche Ausnahme in dieser Periode, die für polnische Kinder sehr willkommen ist: der Nikolaustag (mikołajki). Je nachdem, ob sich die christliche oder säkulare Auffassung durchsetzen kann (was auch mit der Möglichkeit, ein Kostüm zu organisieren, eng verbunden ist), kommt der Heilige Nikolaus (Święty Mikołaj) oder nur Nikolaus/Weihnachtsmann (mikołaj) am 6. Dezember vorbei.

In jedem Kindergarten und jeder Schule freut man sich schon auf seinen Besuch. Ein Klingeln der Glocke ist zu hören und da kommt er: entweder als Bischof verkleidet oder als eine rot-weiße Gestalt. Und zwei Begleiter hat er auch: ein weiß gekleidetes Engelchen (aniołek) und einen frechen Teufel (diabeł), der nur Jux im Sinn hat.

 Mikołaj, anioł, diabeł
Quelle: http://bajkoland.pl

Es ist aber nicht so einfach, ein Geschenk vom Nikolaus zu bekommen. Der Heilige ist oft sehr streng und deshalb auch ein wenig gefürchtet. Er stellt den Kindern verschiedene Fragen („Warst du dieses Jahr brav?“) und Aufgaben. Man muss z. B. über seinen Bischofsstab oder seine Rute springen, ein Gebet oder den Dekalog aufsagen bzw. ein Lied singen. Der Teufel bewacht die Kandidaten und lauert auf ihre Fehler, der Engel dagegen besänftigt den Heiligen und spendet Trost, wenn bei der Befragung etwas schief geht.


 Manchmal ist mikołaj sehr streng und seine Rute kommt zum Einsatz...
Quelle: http://www.ikamien.pl 

Viele Eltern mieten eine verkleidete Person, die dann ihre Kinder auch zu Hause besucht. Es ist in der Regel ein Studentenjob. Obwohl in der Adventszeit in der Regel keine Discoveranstaltungen stattfinden, macht man in der Schule eine Ausnahme und organisiert Nikolauspartys.

 - Mein Junge, wie heißt du denn?
- Spinnst du, Papa?!
Um solche Situationen zu vermeiden, empfiehlt es sich, einen professionellen mikołaj zu mieten.
Quelle: www.playhugelottos.com

 Manchmal wurde aus dem fröhlichen Treffen ein Kindheitstrauma...
Quelle: http://joemonster.org/art/10531


 In den schwierigen Zeiten des Kommunismus musste man improvisieren, wie man nur konnte. Eine Plastikmaske mit Mütze (westlicher Herkunft), dazu ein roter Bademantel, Schal und Gummistiefel mussten oft reichen. Das Kind scheint zufrieden zu sein - auch wegen der zahlreichen Geschenke. Alle wurden in bunte Plastiktüten verpackt, seinerzeit ein Luxussymbol in Polen.
Quelle: http://joemonster.org/art/10531

 Ein älteres Foto zeigt eine andere Mutation des Nikolaus. Hier trägt er eine selbstgebastelte Bischofsmütze aus Karton sowie einen langen weißen Bart aus Watte. Der Schnurrbart musste aus technischen Gründen mit einem schwarzen Stift aufgemalt werden. Dem Nikolaus wurde auch eine rote Nase verpasst (Mamas Lippenstift). Dazu noch obligatorische Gummistiefel, fast in jedem polnischen Haushalt vorhanden. Andere Elemente der Verkleidung ähneln einem Schäfer: ein Schafsfellmantel mit Innenfutter nach außen und ein Stab (Opas Gehstock).
Quelle: http://joemonster.org/konkurs/57/pokaz/strona/1 

Samstag, 23. November 2013

Ślubna część 1: Ślub cywilny w Niemczech


Każda para, która zamierza się pobrać w Niemczech, musi złożyć przysięgę małżeńską w urzędzie stanu cywilnego (Standesamt). Ślub cywilny (standesamtliche Trauung) jest obowiązkowy - po nim może, ale nie musi, nastąpić ceremonia właściwa dla danego obrządku religijnego. Wiele par z różnych względów (religijnych, finansowych, światopoglądowych) poprzestaje jedynie na ślubie cywilnym. Ma on wtedy z reguły bardziej uroczystą oprawę.

Ślub cywilny zorganizowany z większą pompą

Fot. Polschland


Nie będę w tym miejscu pisać o potrzebnych dokumentach, kosztach i terminach, z których należy się wywiązać podczas planowania takiego przedsięwzięcia, ponieważ detale mogą się szybko zdeaktualizować. Ślub cywilny wzięłam w Niemczech, jako tutejsza obywatelka, więc nie będę też zamieszczać informacji potrzebnych polskim lub polsko-niemieckim parom. Zainteresowanych odsyłam do innych stron, a jeszcze lepiej - do właściwego dla nich urzędu stanu cywilnego, gdzie można uzyskać wyczerpującą odpowiedź na każde pytanie. W tej notce chciałabym przede wszystkim opisać, czym charakteryzuje się niemiecki ślub cywilny, bez wgłębiania się w paragrafy.

Pierwszym krokiem, jaki czyni para zamierzająca się pobrać, jest zgłoszenie się do Standesamtu - naturalnie z wyprzedzeniem. Wskazane jest to zwłaszcza w przypadku łatwych do zapamiętania dat (jak choćby 12.12.2012), bo zapewne nie jest się jedyną parą, która wpadły na pomysł, aby świętować tego dnia. Terminy zależą zresztą często od samego USC. Przykładowo, w moim mieście ślubów cywilnych udziela się w czwartki (przez cały dzień) i w piątki (do 12.40), w 1. i 3. sobotę miesiąca za dodatkową opłatą, a w styczniu i w lutym w ogóle.

Ślub można wziąć w „swoim” USC albo w innym wskazanym przez siebie, także filii. Dużą rolę przy wyborze odgrywa samo miejsce - są urzędy, które mieszczą się np. w zamkach, dysponują piękną salą, urządzoną w zabytkowych wnętrzach itp., przez co cieszą się szczególną popularnością.

 Para młoda i goście po ceremonii ślubu cywilnego przed USC w Heidelbergu

Fot. Polschland

W urzędzie, jak to w urzędzie, dopełnia się wpierw formalności. Oprócz zwyczajowo wymaganych dokumentów (np. odpisy aktu urodzenia), w zależności od sytuacji, dołącza się także inne, np. gdy pobieramy się nie w macierzystym USC, gdy partner/ka ma obywatelstwo innego kraju, gdy ma się dzieci, gdy już raz zawarło się ślub itp.

Siłą rzeczy, ceremonia ślubu cywilnego jest bardziej „rzeczowa”, urzędowa. Zaryzykuję stwierdzenie, że nie tak emocjonująca - zwłaszcza, gdy planujemy po niej jeszcze jedną, kościelną. Mimo to nie jesteśmy pozbawieni pola manewru, jeśli chodzi o nadanie jej osobistego tonu. I tak na przykład, można przygotować sobie jakieś motto, przesłanie, złotą myśl, do której nawiąże w swojej mowie urzędnik udzielający nam ślubu. Przyznam się, że pytanie o ulubiony cytat wprawiło nas w konsternację: raz, że nie spodziewaliśmy się, że może paść, a dwa, że o czymś takim w ogóle nie pomyśleliśmy. A może warto było?

Miła pani z USC pytała nas także o to, jak się poznaliśmy, jak długo już jesteśmy razem. I rzeczywiście wspomniała o tym w przemowie, co dało nam poczucie, że przygotowała się do niej i podeszła z sercem, a nie uraczyła nas tym samym, co kilkadziesiąt par wcześniej. 

Ogólnie rzecz biorąc, rozmowę tę wspominam bardzo dobrze, nie miała bowiem nic wspólnego z bezosobową relacją urzędnik (niedostępny i wszechmocny) - petent (maluczki), z którą niestety nieraz ma się do czynienia w Polsce.

Można przedstawić swoje wyobrażenia co do tego dnia, naturalnie trzymając fantazję na wodzy; ale mam na myśli tu np. choćby oprawę muzyczną. Na ślubie znajomych przygrywała im  kilkuletnia bratanica - na fortepianie ustawionym w sali ślubów.

Warto wspomnieć także o tym, że w Niemczech nie wymaga się obecności świadków - pobrać się można jedynie w obecności urzędnika.

Jeśli jest to osoba z innego kraju, warunkiem jest, aby znała język niemiecki na odpowiednim poziomie, jeśli nie, potrzebny jest tłumacz.

Od pary młodej zależy również, czy podczas ślubu cywilnego nastąpi wymienienie się obrączkami. Są osoby, które ten moment wolą zachować dla uroczystości kościelnej.

Po podpisaniu dokumentów małżonkowie mogą otrzymać uprzednio wybrany Familienstammbuch, w którym, jak w segregatorze, przechowuje się najważniejsze dokumenty i akty prawne.

Tak jak wspomniałam wcześniej, rozmach i oprawa ślubu cywilnego zależy od wielu czynników. Pary, które zamierzają przypieczętować swój związek sakramentalnym „tak” (kilka dni później bądź w dłuższym odstępie czasowym), decydują się zwykle na wariant skromniejszy. Oznacza to, że podczas ceremonii w USC obecne jest niewielkie grono osób: najbliższa rodzina, świadkowie, ewentualnie ktoś z pracy. To samo dotyczy strojów. Panna młoda występuje co prawda w eleganckiej sukience, najczęściej nie jest ona biała. Często spotykane są choćby krótkie sukienki koktajlowe. Niektóre panie mają okazję trochę zaszaleć, np. z fascynatorem, fikuśnym kapeluszem, butami. Jako że niemal każda usługa w Niemczech jest droga, wiele kobiet nie decyduje się na skorzystanie tego dnia z profesjonalnego makijażu czy fryzjera, zostawiając to na później. Panowie tradycyjnie występują w garniturze. W niektórych regionach, np. na Bawarii, popularne są stroje regionalne (Dirndl, Lederhose). Ogólnie rzecz biorąc, panuje raczej pewien luz. Na dobrą sprawę można pojawić się i w dżinsach. Jak się dowiedzieliśmy, niewielką wagę do ceremonii cywilnej przywiązują choćby pary tureckie, które pojawiają się w przerwie w pracy, ślub biorą w zwykłych ubraniach i bez jakiejkolwiek pompy. 

Kiedy już jest po wszystkim, małżonkowie wraz z gośćmi udają się na obiad do restauracji, później kawę i ciasto w domu. Krótko mówiąc, spędzają mile resztę dnia.

Ślub cywilny nie obrósł tyloma zwyczajami co kościelny, jednak warto wspomnieć tu o paru spotykanych w Niemczech praktykach, przygotowywanych przez rodzinę i znajomych.

Po wyjściu z sali ślubów na młodą parę czeka białe prześcieradło z wymalowanymi konturami serca oraz ich imionami/inicjałami. Małżonkowie muszą je wspólnie wyciąć... nożyczkami do obcinania paznokci. ;)

 Przenosiny

Źródło: www.fi-sebastian.de


 Wycinanie serca w urzędzie

Fot. Polschland

Kiedy już są gotowi, pan młody przenosi wybrankę przez powstały otwór. W nagrodę wręczyć im można mały upominek, także wesoły, np. zaproszenie na kolację przy świecach z dołączoną zupą w proszku i świeczką-podgrzewaczem (Candlelight-Dinner mit Tütensuppe + Teelicht).

Kolejnym zwyczajem jest wspólne... piłowanie. Przed wejściem do urzędu stanu cywilnego ustawione są koziołki, na których spoczywa kawałek drewna oraz piła (ręczna). Tępa, żeby było zabawniej. ;) Zadaniem pary młodej jest wspólne przepiłowanie go na oczach gości. Sprawdza się tym samym, czy są zdolni do pracy w tandemie i umieją sobie radzić z trudnościami. Jest to ich pierwszy wspólny wysiłek małżeński.

 Starsza już para młoda przepiłowywuje kawałek drewna

Źródło: www.stadttheaterverein.at

Szczerze współczuję parom, którym trafiła się ta „misja”, ponieważ mam wrażenie, że dobrze się przy tym bawią jedynie goście, a i to tylko krótko. Trzeba liczyć się z połamanymi paznokciami, rozwichrzoną fryzurą, wiórami na ubraniu, potem i wypiekami. Niekiedy okazuje się, że pniak nijak nie daje się „ugryźć”, ma sęki - i piłowanie ciągnie się w nieskończoność.

Z innych akcji „po” można wymienić to, co znane także ze ślubów kościelnych: obsypywanie ryżem lub płatkami róż - jeśli nie ma zakazu, wypuszczanie baniek mydlanych/gołębi/motyli/balonów. Ciekawym pomysłem jest doczepienie do tych ostatnich pocztówek ze znaczkiem i adresem młodej pary. Kto je znajdzie,  może wysłać im życzenia.

Popularny jest także szpaler róż, przez który para wychodzi z urzędu. Zresztą, mogą to być nie tylko róże, a np. wstążki czy jeszcze coś innego, związanego z hobby lub zawodem pary młodej.

 Szpaler złożony z mioteł na ślubie kominiarza. Pniak już czeka...

Źródło: http://blogs.taz.de

Miłym akcentem jest także Sektumtrunk, mały, zorganizowany naprędce bufet przed USC: wino musujące, sok, małe przekąski.





 Kilka tygodni temu natknęłam się na ciekawą scenę. Pan młody był strażakiem, co tłumaczy obecność kolegów w mundurach oraz wozów strażackich. Sektempfang urządzono nieopodal ratusza. Najciekawszy był jednak tunek z węża strażackiego, przez który musieli przejść świeżo poślubieni małżonkowie.


Dodatkowe informacje

DE


http://www.unsertag.de/kirche-und-standesamt/standesamtliche-trauung.html 

http://www.hochzeit-perfekt-geplant.de/artikel/standesamt-kirche/standesamt-ablauf.html


Pozostałe posty z serii:

oraz

Kulturelle Unterschiede: Das Fahrradfahren in Deutschland und Polen / Rowerem po Polsce i Niemczech



Beinahe jeder Pole, der nach Deutschland kommt, sowie ein Deutscher, der sich auf eine Reise nach Polen begibt, wird mit einem wichtigen Unterschied konfrontiert, wenn es um das Fahrradfahren geht.

Als begeisterte Fahrradfahrerin habe ich in Deutschland ein Paradies für mich entdeckt. Fahrrad fahre ich fast jeden Tag: zur Arbeit, zum Einkaufen, zu verschiedenen Terminen oder einfach nur so, um zu entspannen. Meine Leidenschaft für den eigenen Drahtesel wird von der Stadt großzügig unterstützt. Fast überall sind Fahrradwege vorhanden, Autofahrer nehmen auf Fahrradfahrer Rücksicht. Es werden sogar Fahrradreparaturkurse angeboten, damit man eventuelle technische Probleme selbst bewältigen kann. Im nahe gelegenen Familienzentrum findet regelmäßig eine Art Sprechstunde statt, in der sich ein ehrenamtlicher Rentner um kaputte Fahrräder kümmert und dem Besitzer beim Reparieren hilft. Die Touristen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, können auch in speziellen Fahrradhotels übernachten. Den nächsten Fahrradverleih zu finden, ist nicht schwer. Manche Ferienwohnungsbesitzer bieten ihren Gästen sogar einen Abholservice. Wenn die Gäste z. B. am Morgen losfahren und dann am Abend doch feststellen, dass sie schon zu müde für die restlichen 25 Kilometer sind, holt man sie einfach mit Auto und Fahrradträger ab.

Ungern muss ich gestehen, dass das Leben der Fahrradfahrer in Polen ungleich schwieriger ist. Es geht nicht nur um den Mangel an guten Fahrradwegen sondern vielmals um die allgemeine Einstellung. Es fängt schon bei der Tatsache an, wie man als Fahrradfahrer gesehen wird. Oft habe ich das Gefühl, als würde ich für die vorbeifahrenden Autofahrer buchstäblich eine Tarnkappe tragen. Wenn ich entlang der Hauptstraße in meiner Heimatstadt fahre, ist dies noch stressiger, als die zahlreichen Löcher im Asphalt, die sowohl an regnerischen Tagen (riesige Pfützen), als auch sonst eine Falle für meine Reifen und Knochen sind. Kurzerhand beschließt man deshalb, dort, wo der Straßenverkehr größer ist, auf dem Bürgersteig zu fahren. Da trifft man auf ein neues Problem: oft sind diese zu eng und auch ungeeignet, ganz zu schweigen von den bösen Blicken der Passanten („Gibt es keine Straße?!“).


 Fahrradwege in Polen - zwei negative Beispiele...

Quelle: http://i.imgur.com/JfnI1Zf.jpg und mmgrudziadz.pl

Auf dem Land sieht die Situation nicht besser aus. Auf vielen Landstraßen kann man zwar mit dem Fahrrad Pirouetten drehen, aber die schlimmste Gefahr hat ein scharfes Gebiss, vier flinke Pfoten und heißt: Hund. Ich kann mich noch zu gut daran erinnern, wie ich vor mehreren bellenden und äußerst aggressiven Kläffern Gas geben musste oder nach dem Anblick einer Streuner-Horde meine Route kurzerhand ändern musste. In meiner Gegend ist es leider üblich, sich auf dem Land eher wenig um mögliche Angriffe der Vierbeiner zu kümmern. Man fährt z. B. aufs Feld und lässt das Tor sperrangelweit offen. Wenn die Hunde überall in der Gegend laufen, stört es fast niemanden; schließlich gehört es zu ihrer Aufgabe, Fremde wegzujagen. Aus diesem Grund fahre ich nicht mehr mit dem Fahrrad durch die malerischen Dörfer und Felder meiner Region (sonst müsste ich einem Rat meines Vaters folgen und Pfefferspray samt Baseballschläger mitnehmen) und bin auf den Roller umgestiegen. Zugegeben, es ist umweltunfreundlich, teuerer, lauter und man muss einen größeren Sturzhelm tragen. Aber im Fall einer Hundeverfolgung lässt es sich auch schneller fliehen.

 Quelle: Internet

Wenn wir schon beim Thema Fahrradhelm sind - als ich noch in Polen lebte, besaß ich nicht mal einen. Mein Wissen über die möglichen Konsequenzen eines Fahrradsturzes war ebenfalls gering - was mich heutzutage wundert. Auf spezielle Kleidung oder Schutz legte man einfach kein Wert, wenn man kein Profi- oder Hobbysportler war. Wenn schon Kinder selbst meistens ohne Helm fuhren, wäre ein Erwachsener mit einem bestimmt ein Lacher.

Einst fragte mich mein damaliger Student aus Australien, warum die überwiegende Mehrheit der Polen ohne Fahrradhelm fährt. Aufgrund seiner (nicht immer angenehmen) Erfahrungen mit polnischen Straßen, wunderte ihn das noch mehr. Ich musste kurz darüber nachdenken; eine Antwort zu finden fiel mir nicht leicht. Es war für mich doch selbstverständlich, dass man ohne Helm fährt (selten sah ich eine Ausnahme). Am leichtesten ließ es sich in Bezug auf polnische Männer erklären. „Weiß du, ich vermute, dass sie sich damit nicht männlich fühlen und glauben, dass ein Fahrradhelm nur den Weicheiern zusteht“, antwortete ich schließlich. Diese Aufklärung konnte er aber nicht nachvollziehen; sein verwundertes „Why?!“ kann ich heute noch hören. Da war definitiv ein Wurm drin.

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann es war, aber es passierte erst nach meinem Umzug nach Deutschland. Eines Tages war ich doch Besitzerin und eifrige Trägerin eines Fahrradhelms. Jetzt habe ich sogar den zweiten. Und es waren nicht mal die Deutschen, die mich davon überzeugten, einen zu tragen. Es war mein oben erwähnter australischer Bekannter, der noch in seinem Heimatland dem Tod zweimal von der Schippe gesprungen war. Dass er noch am Leben war, hat er nur dem Helm zu verdanken. Jetzt schwöre ich regelrecht auf das Fahrradhelm-Tragen, und das bei nahezu jeder Gelegenheit, unabhängig davon, wie weit die Strecke ist. Zugegeben, in Deutschland fiel es mir leichter, einen aufzusetzen. Man fällt nicht auf. Anders als in Polen, was mir neuerdings wieder bewusst wurde, als wir im Sommer die deutsch-polnische Grenze auf der Insel Usedom übertraten und auf der Fußgängerzone in Świnoujście standen.

Leider muss ich an dieser Stelle etwas Peinliches beichten: auch bei mir gibt es Ausnahmen. Wenn ich in Polen bin, trage ich keinen Fahrradhelm, um nicht aufzufallen.

Ein polnisches Meinungsforschungsinstitut CBOS befragte letztes Jahr die Radfahrer, ob Helme Pflicht sein sollten. 62 % der Befragten antworteten, dass es jedem überlassen sein sollte, ob er einen trägt oder nicht.
Quelle: polskanarowery.sport.pl

Als mein Vater bei mir in Deutschland zu Besuch war, lud ich ihn zu einem kurzen Fahrradausflug entlang des Flusses ein. Ich beharrte darauf, dass er einen Helm trägt. Er wollte natürlich nicht, protestierte, schließlich sei er mehr als fünfzig Jahre ohne einen klargekommen. Hat es aber, mir zuliebe, getan. „Das gab es noch nicht, ich in einem Helm!“, hörte ich ihn dabei murmeln. Der Anblick meines sonst so selbstbewussten Vaters, der sich mit dem Ding quälte, war amüsant und erbärmlich zugleich. Ungefähr nach einem Kilometer lindernde ich seine Schmerzen - das Tragen stellte sich als so unangenehm heraus, weil die Schnallen zu eng waren. Ab dem Moment ging es meinem Vater (zumindest körperlich) besser.

 Fahrrad - das bessere Auto?

Quelle: forbes.pl

Die vielen Jahre des Kommunismus prägten das Verhältnis zum Fahrradfahren - ein Phänomen, das sich übrigens in allen Ostblockländern beobachten ließ. Wer nach der Wende noch mit dem Fahrrad unterwegs war, war in gewissem Sinne ein Verlierer. Er konnte sich, wie man sofort vermutete, kein Auto leisten. Und wer sich eins leisten konnte, zeigte es auch. Das Auto avancierte schnell zum Statussymbol. Sonntags zur Kirche mit dem Fahrrad fahren? War in meiner Familie unmöglich. Zu Fuß? Wieso, wenn man bequem mit dem Auto fahren kann, selbst wenn die Strecke kurz ist. Vielen ging es und geht es genauso. Der Rekord gehört meinem neureichen Nachbar, der regelmäßig seine Brötchen mit einem Geländewagen holte. Von Zuhause bis zum Supermarkt hatte er stolze 300 Meter.

Für Polen markant ist die Tatsache, dass man mit seinem Drahtesel nicht ohne Grund unterwegs ist. Man muss schon seine (oft ideologischen) Gründe haben. Wenn ein Mann im besten Alter nur mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, entsteht die Mutmaßung, er habe seinen Führerschein wegen einer Rauschfahrt verloren.

Quelle: fakt.pl

Eine andere Gruppe Fahrradfahrer sind Rentner und Kinder im Grundschulalter. Die einen sind meistens arm, die anderen dagegen noch zu jung.

Eine spezielle Gruppe, die relativ neu ist, bilden junge Großstadtmenschen, die so genannten Hipsters, die sich bewusst für die Zweiräder entschieden haben. Das Fahrradfahren ist für sie Teil der Lebensphilosophie, mal was ganz anderes, was sie von den durchschnittlichen Menschen unterscheidet. Fahrrad ist „in“, gibt sogar das Gefühl, man sei westeuropäischen Metropolen (wie z. B. Amsterdam) ein Stück näher. Das Fahrrad muss also dementsprechend auffällig sein, am liebsten ein Holländer mit einem Weidekorb oder ein Oldshool-Rennrad.

Polnische Stars und Celebrities zeigten ihr Gespür für Mode und ließen sich mit eigenem Drahtesel fotografieren, kamen zu Events mit Rad statt dicker Limousine.

„Sie hatte einfach abgefahrene Ideen! Bekannte polnische Schauspielerin kam mit dem Fahrrad zum roten Teppich. Hat sie sich blamiert?“, schrieb vor einem Jahr „Fakt“. Ein anderes Klatschportal fragte: war es Werbung für einen gesunden Lebensstil oder Medienprovokation?

Quelle: fakt.pl


 Moderator Hubert Urbański, kam auf eine Veranstaltung ebenfalls mit dem Fahrrad - und mit einem Fahrradanhänger. Beide wurden fleißig abfotografiert.

Quelle: pomponik.pl

Bloggerinnen und Blogger fotografierten sich ebenfalls mit ihrem Tretross, wie z. B. Bloggerin und Ministerpräsidententochter Kasia Tusk. Wie ein Klatschportal zügig überprüfte, kostete das gute Stück ungefähr zwei polnische Durchschnittsmonatsgehälter.

Da ging was schief… Statt dem Fahrradfahren eine positive Werbung zu machen, sorgte Kasia Tusk für böse Schlagzeilen. Ihr Gefährt soll 3.000 Zloty gekostet haben.

Quelle: plotek.pl

Im Internet wimmelte es vor einiger Zeit von Schnappschussfotos, die Promis während einer Radfahrt zeigten, wie Skandalnudel und Sängerin Doda auf ihrem pinkfarbenen Gefährt.

Ob in Deutschland so viel Aufmerksam fahrradfahrenden Künstlern geschenkt würde, ist mehr als fraglich.

Einen gegenwärtigen polnischen Fahrrad-Mythos illustriert gut ein Zitat aus einem Artikel über Małgosia Radkiwicz, eine Boutiqueinhaberin. „Ihre Kindheit verbrachte sie in einer Försterei bei Kielce und als sie das Studium angefangen hatte, träumte sie von einem Fahrrad im Retro-Romance-Stil: mit einem schwanartigen Fahrradrahmen, bequemen Sattel und geraden Lenker. Sie stellte sich vor, wie sie im luftigen Kleid fährt. Sie hatte vor, ihre Haare zu Locken zu wickeln, ein Pünktchenkleid anzuziehen, das Rad mit einem Weidekorb zu zieren. Und dann losfahren und stolz wie eine Königin gleiten, gestreckt, als säße sie auf einem Thron, aber sicherlich würde sie dabei die heimlichen Blicke der Jungen in Tweedsakkos merken“, so beschrieb die Zeitschrift „Claudia“ Małgosias Mädchenträume, die tatsächlich in Erfüllung gingen. Weiter erzählt die junge Frau selbst: „Ich fahre jeden Tag Rad, was nicht bedeutet, dass ich für die Tour de Pologne trainiere. Für mich ist das der Lebensstil. Ich möchte daher stilvoll und chic aussehen: gerne in High-Heels [!], im Kleid und Hut [!]. In den Weidekorb beim Lenkrad tue ich frisches Marktgemüse oder Blumen hinein, um es noch romantischer wirken zu lassen. Ich glaube an den Grundsatz: Zeige mir dein Fahrrad und ich sage, wer du bist“. 

„Es ärgert mich, dass man in Polen vom Fahrrad nur in Bezug auf die Erholung denkt. Ich träume davon, dass ein Stadtradfahrer kein Sonderling mehr ist“, fügt sie noch hinzu. Hm, dies widerspricht ein wenig dem, was sie zuvor gesagt hatte. Denn in meiner Stadt (jetzt meine ich Deutschland natürlich), wo es völlig normal ist, Fahrrad zu fahren und keine große Sache daraus zu machen, würde so eine Kleidung verwunderte Blicke anziehen - schon aufgrund des Hutes und der Stöckelschuhe. Keine praktische Fahrradausrüstung, nicht wahr?

Als ich einmal auf eine Veranstaltung mit dem Fahrrad und hohen Absätze kam (das Fahrrad war dabei kein Teil des Stylings, sondern das schnellste Verkehrsmittel) wurde mir wörtlich gratuliert. Ich bewies damals für den Rest der Damen Mut, wenn auch Leichtsinnigkeit

Małgosias Fahrradschmuckboutique wird immer bekannter. Finden kann man da Verschiedenes, von gestrickten Wollhüllen für Fahrradschlösser (der Winter steht vor der Tür), bis Kunstblumen, speziellen Plastikschutzhüllen für Stöckelschuhe und muffinförmigen Ventilkappen. Irgendetwas für Fahrradhelme oder diese selbst - Fehlanzeige. Schade.

Es freut mich aber, dass dem Drahtesel in Polen in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Man organisiert z. B. regelmäßige Veranstaltungen, die für das Fahrradfahren in der Stadt werben (Święta Cykliczne), während derer hunderte Menschen durch die Straßen fahren.

Leider gibt es auch weniger fröhliche Anlässe, zu denen sich die Radfahrer zeigen, wie die gemeinsame Ausfahrt in Lublin, nach dem Tod einer Radfahrerin, die von einem Auto überfahren wurde. Auch wenn die Veranstaltungen gerade ein Zeichen dafür sind, dass es noch nicht ganz alltäglich ist, Rad zu fahren, sind sie ein guter Anfang.


 Im November 2013 wirft Michał Kieś (Facebookprofil „Rowerowa Metropolia Górnośląska“), dem oberschlesischen Woiwodschaftsmarschall Mirosław Sekuła, vor, dass er genau überprüfe, mit welchem Verkehrsmittel seine Mitarbeiter zur Arbeit kommen.

 „Diejenigen, die denken, dass die Radfahrer von ihm begrüßt wurden, liegen jedoch falsch. Woiwodschaftsmarschall Sekuła war der Meinung, dass ein Fahrrad der Ernsthaftigkeit eines Beamten widerspricht“, meinte der Internetnutzer.

 Mirosław Sekuła soll auch mit dem unangenehmen Geruch der Rad fahrenden Mitarbeiter unzufrieden gewesen sein. Außerdem störten ihn die engen Fahrradhosen.

 Der  Woiwodschaftsmarschall schlug zurück und kündigte an, am nächsten Freitag (08.11.13) mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, um Verleumdungen und Gerüchten ein Ende zu setzen. Er setzte sich drei Kilometer vor der Behörde auf sein Tretross und kam wie ein rassiger Radfahrer an - ausgestattet mit Fahrradhelm, spezieller Weste, Schuhen und einer extra Leuchte. Empfangen wurde er von zahlreichen Reportern.

Quelle: tvs.pl



Zum Weiterlesen

PL

http://polskanarowery.sport.pl/msrowery/1,105126,12564347,Jezdzimy_duzo__po_slabych_drogach_i_nie_chcemy_kaskow_.html 

http://www.cbos.pl/SPISKOM.POL/2012/K_119_12.PDF http://www.swietocykliczne.pl/ 

http://www.lublin112.pl/rowerzysci-upamietnili-smierc-kolezanki/ 

http://lodzcyclechic.blogspot.de/